Wer traut sich in die Höhe?

Wer ans Klettern denkt, verbindet damit meist Bäume, steile Gebirgswände oder spezielle Indoor-Anlagen. Die wenigsten dürften mit dem Begriff wohl Arbeiten im Rigg von Segelschiffen assoziieren. Was es dabei zu beachten gilt, wird beim Tag der Bundeswehr an der Marineschule Mürwik in Flensburg erklärt.

Etwas versteckt steht es dort hinter großen Bäumen. Wer näher kommt, bleibt unweigerlich davor stehen: Das Schulungs- und Ausbildungsgerät „Mast und Takelage“ – im Bundeswehrsprachgebrauch SAG MuT – ist ein Hingucker.

Für Groß und Klein

Bereits kurz nach Beginn des Tages der Bundeswehr in Flensburg haben sich zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer dort versammelt und bestaunen, wie die Stammsoldaten des Segelschulschiffes Gorch Fock blitzschnell den Übungsmast aufentern. Ob groß oder klein, alt oder jung: Alle Besucher wollen sich informieren über dieses legendäre Schiff der Deutschen Marine und suchen den Kontakt zu den Soldaten, die zwischenzeitlich wieder den Boden unter den Füßen haben.

„Wie hoch ist der Mast da, Papa?“, fragt ein kleiner Junge und deutet auf das Ausbildungsgerät, das aussieht, als komme es direkt von der Gorch Fock. Sein Vater muss passen, er ist überfragt. „Ist das gefährlich?“, löchert ihn sein Sohn weiter.

Derlei Fragen hören die Soldaten des Segelschulschiffes heute viele. Bereitwillig geben sie Antworten, erklären, gestikulieren. Alles bleibt aber irgendwie abstrakt, denn die Gorch Fock liegt in der Werft. Trotzdem genießen die Soldaten den heutigen Tag sichtlich.

Schiffe und Boote im Hafen
Das Hohlstablenkboot Siegburg im Hafen der Marineschule Mürwik zieht zahlreiche Besucher an. (Quelle: Bundeswehr/Björn Wilke)

Führungen in deutscher und dänischer Sprache

Wer mehr wissen möchte – wann die Marineschule gebaut wurde, wie es früher aussah und was sich in den letzten 20 Jahren getan hat – der ist richtig bei einer der Schulführungen, die über die Geheimnisse dieses „Hogwarts“ in Flensburg aufklären. Aula, Turm, Säulengang aber auch Planetarium und die zahlreichen Außentüren stehen auf dem Programm. Auch die vielen Gäste vom anderen Ufer der Flensburger Förde freuen sich über die Führungen, da diese extra auch in dänischer Sprache durchgeführt werden.

Verkaufsschlager Erbsensuppe

In den Gängen und um die Marineschule duftet es nach Erbsensuppe – kein Wunder, denn das Spezialpionierregiment 164 aus Husum hat eine Feldküche aufgebaut und die Leute stehen in der Schlange, um den Verkaufsschlager zu bekommen. Auch die Kameraden des Seebataillons aus Eckernförde und der 1. Panzerdivision stehen bei der Erbsensuppe an. Sie sind mit ihren Radfahrzeugen vom Typ Eagle IV und Dingo II, dem Fuchs, einem Fennek, einem Wiesel mit Maschinenkanone und weiterem Großgerät nach Flensburg gekommen.

Besucher sehen sich Hubschrauber an
Großes Interesse herscht an dem Sea Lynx Hubschrauber der Marineflieger. (Quelle: Bundeswehr/Björn Wilke)

Hubschrauber heben ab

Gegen 15 Uhr wird es noch einmal richtig laut. Fast gleichzeitig heben die beiden Helikopter des Marinefliegergeschwaders 5 noch einmal ab. Den ganzen Tag sind die Sea Lynx schon über die Marineschule und die Flensburger Förde geflogen und haben ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll bewiesen. Nun geht es nach Hause nach Nordholz. Noch einmal ein „Fly by“ über die Marineschule und weg sind sie.

So langsam nähert sich auch ein erfolgreicher Tag der Bundeswehr in Flensburg dem Ende zu. Ja, Petrus hätte den ersten Regen seit Wochen gerade heute für sich behalten können. Aber gestört hat er Besucher und Angehörige nicht. Ganz im Gegenteil, so wurde an trockenen Plätzen näher zusammengerückt und man kam ins Gespräch – genau das, was dieser Tag ja beabsichtigt. Menschen in und ohne Uniform zusammenzubringen und sich gegenseitig auszutauschen, was für ein engagierter und vielseitiger Arbeitgeber die Bundeswehr ist.

Mehr zum Thema