Die 51+01, eine Penzinger Transall der ersten Stunde, kommt mit einer ungewöhnlichen Sonderlackierung zu großen Ehren. Im Retro-Look sind die Penzinger Piloten mit ihrer „Silbernen Gams“ europaweit im 60. Jubiläumsjahr unterwegs – bevor Ende des Jahres dann die Ausmusterung ansteht.

Neu lackierte Transall auf Rollfeld
Die Transall 51+01 rollt als „Silberne Gams“ zum ersten Flug mit der Sonderlackierung. Etwa in dieser Optik wurden die ersten Transalls vor rund 45 Jahren ausgeliefert. (Quelle: Bundeswehr/Max-Joseph Kronenbitter)

Rockmusik-Bässe wummern vor dem Hangar, langsam gleiten große Tore auf. Laser wirbeln wild im Nebel, der aus der dunklen Halle wabert. Ein Schlepper zieht die Maschine aus den dichten Schwaden. Unter dem oberbayerischen Himmel reflektiert die silbrige Außenhaut die Sonne. „It’s showtime“ heißt es für eine ganz besonders lackierte Transall.

Mann in Schutzkleidung wäscht Flügzeug
Vor dem Lackieren erfolgt erstmal eine gründliche Wäsche. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Back to the Roots

Sonderlackierungen haben eine lange Tradition bei der Luftwaffe. Für runde Jubiläen eines Verbandes bemalen die Soldaten eines ihrer Luftfahrzeuge mit einem besonderen Motiv. Alpenpanoramen und künstlerische Interpretationen des interkulturellen Dialogs waren die Themen zum 40. und 50. Geschwader-Geburtstag.

„Back to the Roots“ – zurück zu den Wurzeln – könnte das Motto für das allerletzte Jubiläum in diesem Jahr sein. Am Ende einer 60-jährigen Geschichte kommt ein Blick auf den Anfang. Denn die Jubiläumstransall 51+01 sollte ungefähr so ausschauen, wie die ersten Transalls anfangs der 1970er Jahre ausgeliefert wurden.

Menschen in Schutzkleidung beim Einfärben einer Transall
Blick von oben auf den Bauch der Transall – da hat richtig viel Farbe Platz. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

240 Kilogramm Farbe

Einen konkreten „Erfinder“ dieser Jubiläumslackierung gibt es nicht. Die Idee des Retro-Looks wurde in gemeinsamen Gesprächen im Kasino geboren. „Ursprünglich geplant war es, einfach den olivgrünen Tarnanstrich runter zu schmirgeln bis das silbrige Blech erscheint“, so Oberstleutnant Klaus Schierlinger, der den Entstehungsprozess von der ersten Idee bis zur Fertigstellung intensiv begleitete.

Dies ließ sich nicht realisieren. Stattdessen wurde der ursprüngliche Anstrich nur angeraut und anschließend zwei weiß-metallic-Farbschichten aufgebracht. Sogar die bayerischen Rauten auf dem Seitenruder sind silbrig gehalten. Das einzig Farbige ist das schwarz-rot-gold der Deutschland-Fahne.

Markant prangt der Kopf der Gams, das Wappentier des Lufttransportgeschwaders (LTG) 61, auf dem Seitenleitwerk. Das schwarz-weiße Logo des Jubiläums, die große 60 mit den drei geflogenen Transportflugzeugen C-47 Dakota, Noratlas und Transall, sowie dem Hubschrauber Bell UH 1-D, der bis vor wenigen Monaten noch in Penzing stationiert war, ziert beide Seiten des Rumpfes. Weil die Maschine nach dem Lackieren gewogen wurde, lässt sich sagen, dass die Soldaten gut 240 Kilogramm Farbe verbrauchten.

Transall rollt aus Hangar heraus
Die Auslieferung der „Silbernen Gams“ mit Musik, Nebelschwaden und Lichtshow vor den Augen der Geschwaderangehörigen (Quelle: Bundeswehr/Max-Joseph Kronenbitter)

Auf Werbetour für den Tag der Bundeswehr

Sonderlackierte Maschinen sind für Fotografen ein sehr begehrtes Motiv. Die „Silberne Gams“ dürfte vor allem die Fotoobjektive beim Spotterday am 8. Juni auf sich ziehen.
Weitere publikumswirksame Einsätze, etwa bei Flugplatzfesten, beispielsweise in Schwäbisch Hall, sind auch schon geplant. Freilich kann der Verband so auch sehr leicht für den Tag der Bundeswehr werben.

Nach kurzzeitigen Überstellungen an das LTG 63 in Hohn/Schleswig Holstein leistete die 51+01 rund 35 Jahre lang ihren Dienst beim Schwestergeschwader LTG 62 in Wunstorf bei Hannover. Für eine achtmonatige, periodische Inspektion im Jahr 2016 beim Instandsetzungszentrum Z 11 kam die Maschine wieder in ihre ursprüngliche bayerische Heimat in das Geschwader mit dem Alpenpanorama. Dies war die letzte größere Instandsetzungsmaßnahme. Im Zuge der Einführung des A400M beim LTG 62 und der Abgabe aller Transalls an die beiden verbliebenen Transall-Geschwader  gehörte die 51+01 wieder zum dauerhaften Buchbestand des LTG 61. Bis heute hat die Transall 14.025 Flugstunden zu Buche stehen und ist dabei 15.209 Mal gelandet.

Soldaten kleben einen Patch auf eine Transall
Darf nicht fehlen: das Jubiläumspatch erfordert besondere Sorgfalt. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Die Auswahl zur Jubiläums-Transall „60-Jahre LTG 61″ richtet sich rein nach den aktuellen Inspektionsdaten des Luftfahrzeugs und der Restnutzungszeit bis zur Ausschleusung. Diese ist vorgesehen in Zusammenhang mit der Auflösung des Geschwaders, sodass die 51+01 nicht mehr „zurücklackiert“ wird. Ob diese Transall einer Hochwertteilegewinnung zugeführt wird oder eine museale Verwendung findet, steht noch nicht fest.