Technik, die begeistert

Ein Interview mit dem Bataillonskommandeur Oberstleutnant Jürgen Eckert und dem Projektoffizier Major Jan-Eric Foisner zum Stand der Vorbereitungen im IT Bataillon 293 in Murnau.

Herr Oberstleutnant Eckert, Murnau ist heuer der südlichste Standort am Tag der Bundeswehr – was sehen die Besucher bei Ihnen, was sie woanders nicht sehen?

Oberstleutnant Eckert: Murnau ist bekanntlich der schönste IT-Standort, die Einmaligkeit liegt sicher auch in dem sagenhaften Alpenpanorama begründet, das wir vom Exerzierplatz aus sehen. Das und vieles mehr zeigen wir, wenn wir am 9. Juni die Kasernentore öffnen und die Bundeswehr in einer Breite präsentieren, wie sie in Murnau noch nie zu sehen war.

Zum Beispiel?

Soldaten im Gespräch
Um einen solchen Tag zur Organisieren, braucht es ein gewisse Vorstellungskraft. (Quelle: Bundeswehr)

Major Foisner: Bundeswehrseitig typisch für das bayerische Alpenland sind natürlich die Gebirgsjäger und dort die Tragtierführer, die sogar eine komplette Schmiede aus Reichenhall mitbringen und zeigen, wie die Mulis mit Hufeisen beschlagen werden. Die Luftwaffe fliegt einen Hubschrauber ein, den die Spezialkräfte nutzen und mit der Marine gehen wir auf einen Tauchgang in einem Container.

Major Foisner, Sie haben im vergangenen halben Jahr als Projektoffizier mit Ihrem Team den Tag vorbereitet. Wie läuft’s?

Major Foisner: Unser 20-Mann-Team ist hochmotiviert, wir spüren die Begeisterung, mit der uns auch andere Bundeswehreinheiten mit Panzern, Haubitzen und anderen Exponaten unterstützen.

Gibt’s auch nicht-militärische Aussteller?

Major Foisner: Freilich, zum Beispiel in der sogenannten Blaulichtmeile, wo sich Feuerwehr, Rettungsdienste und THW präsentieren. Die Bayerische Polizei schickt sogar einen ihrer Hubschrauber samt einem Simulator zum Selberfliegen. Und an ein Kinderprogramm haben wir auch gedacht.

Das Murnauer Informationstechnik-Bataillon gehört ja seit dem vergangenen Jahr zum neuen Kommando Cyber- und Informationsraum. Was machen eigentlich die Murnauer Soldaten wenn sie nicht den Tag der Bundeswehr vorbereiten?

Oberstleutnant Eckert: Unsere Wurzeln liegen ja im Fernmeldewesen – übrigens seit 60 Jahren, deswegen feiert unser Bataillon auch heuer Geburtstag. Im Unterschied zu damals rennen wir aber heute nicht mehr nur mit der Kabeltrommel auf dem Buckel von Feldposten zu Feldposten und funken.

Aber ein junger Rekrut, der in Murnau seine Bundeswehr-Karriere beginnt, heisst doch zum Beispiel „Funker Huber“?

Major Foisner: Stimmt, das ist sein Anfangsdienstgrad – vielleicht sollte man den künftig „Hacker Huber“ nennen (lacht).

Die 293er sind also heute Cyber-Hacker?

Major Foisner: Nein, wobei das Thema Cyber-Sicherheit ein Thema ist, das besonders die Bundeswehr betrifft. Unsere Hauptaufgabe ist, die Kommunikation sicherzustellen, die gerade in den vielen Einsatzländern, in denen die Bundeswehr engagiert ist, auch über Satelliten erfolgt.

Welches IT-Gerät ist am Tag der Bundeswehr in Murnau aufgebaut?

Major Foisner: Nachdem wir am Tag der Bundeswehr der einzige IT-Standort sein werden, zeigen wir die komplette Cyber-Welt und dazugehöriges Gerät. Besonders interessant ist der Vergleich von alter Fernmeldetechnik zu heutiger IT-Technik.

Herr Oberstleutnant, warum haben Sie sich für die Ausrichtung des Tag der Bundeswehr beworben?

Soldaten im Gespräch
Der Kommandeur und sein Projektoffizier im Gespräch. (Quelle: Bundeswehr)

Oberstleutnant Eckert: Ganz einfach, weil es eine gute Sache ist, sich der Bevölkerung zu öffnen. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Leute nicht unbedingt wissen, was wir machen, weil wir üblicherweise hinter einem hohen Zaun arbeiten. Und dann ist es sicher auch eine Gelegenheit, junge Leute für die Bundeswehr zu interessieren – wir benötigen gerade im IT-Bereich Nachwuchs.

Meine Herren, abschließend von jedem bitte ein Tipp für unsere Besucher?

Oberstleutnant Eckert: kommen Sie am besten mit dem Fahrrad oder der Bahn zur Kaserne, denn mit dem Auto werden sie zu den Parkplätzen außerhalb gelotst und mit dem Bus zur Kaserne transportiert.

Major Foisner: Kommen sie nicht erst am Nachmittag, sonst schaffen sie es nicht, alles zu erleben.

Vielen Dank!

Das Interview führte Max-Joseph Kronenbitter

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