Frau im Porträt
Ricarda Mehl

Sie hat schon in Amtshilfe für Deutschlands obersten Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle und Laurent Fabius, den Präsidenten des französischen Verfassungsrats, gedolmetscht. Darüber darf Ricarda Mehl (48) berichten, über Inhaltliches hingegen aus Gründen der Vertraulichkeit natürlich nicht. Denn als Konferenzdolmetscherin unterliege sie der Schweigepflicht, betont sie. So kann man davon ausgehen, dass bereits etliche Minister und Staatssekretäre ihre Dienste in Anspruch genommen haben. „Es ist mir ein großes Anliegen, mich für die Völkerverständigung einzusetzen und zwischen den Kulturen zu vermitteln“, sagt die Referentin Dolmetschmanagement im Bundessprachenamt – eine Überzeugung, die man der gebürtigen Moselanerin sofort abnimmt.

Beruf mit großen Herausforderungen

Die Weltgesundheitsorganisation hat in einer Studie das Konferenzdolmetschen als drittstressigsten Beruf eingestuft – hinter Jetpilot und Fluglotse. Denn eine Konferenzdolmetscherin muss beim Simultandolmetschen über längere Zeit jeweils in Sekundenbruchteilen das Gesprochene exakt erfassen, gleichzeitig – eben „simultan“ – in die Zielsprache dolmetschen und weiterhin der vorgetragenen Rede zuhören. Bei der zweiten Dolmetschtechnik, die sie beherrschen muss, dem Konsekutivdolmetschen, ist sie nur mit einem Kugelschreiber und einem Notizblock „bewaffnet“. Mit einer ausgeklügelten Notizentechnik notiert sie dann bis zu 15 Minuten lang das Gesagte, um es danach – also zeitversetzt – in der Zielsprache wiederzugeben.

Einfühlungsvermögen gefragt

Ein gutes Gedächtnis ist neben den perfekten Sprachkenntnissen für eine Konferenzdolmetscherin unabdingbar. Außerdem sollte sie Einfühlungsvermögen zeigen und breit gebildet sein. Diese Herausforderungen betrachtet Ricarda Mehl aus ganz anderer Sicht: „Ich bin Dolmetscherin für Französisch und Spanisch mit Leib und Seele und mit Riesenfreude.“ Ihre Eltern hätten sie schon als Vier- und Fünfjährige regelmäßig auf ihre Reisen nach Frankreich und Spanien mitgenommen. „Das hat in mir die Liebe und die Leidenschaft für diese Länder und die Sprachen geweckt.“

Viele Stationen

Nach dem Studium der Angewandten Sprachwissenschaft, Übersetzen und Dolmetschen in Saarbrücken, zu dem interessanterweise auch „Elektrotechnik und Maschinenbau“ gehörte, hat die heutige Oberregierungsrätin 1995 im Sprachendienst des damaligen Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung der Bundeswehr in Koblenz begonnen. Von 1998 bis 2007 arbeitete sie im Dolmetscherdienst des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn, danach bis Mitte 2016 als Sprachendienstleiterin und Konferenzdolmetscherin beim Eurocorps in Straßburg.

Die Koordinatorin

Ricarda Mehl koordiniert nun mit ihrem Team die Dolmetschaufträge aus dem nachgeordneten Bereich im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung. Dazu gehören sowohl Dolmetschaufträge, die das Bundessprachenamt mit seinem Stammpersonal in vielen Sprachen selbst wahrnimmt, als auch „exotische“ Sprachen wie Georgisch oder Armenisch, die mit einer Fremdvergabe abgedeckt werden.

Dolmetschen vor Publikum

Auf den Tag der Bundeswehr freut sie sich sehr: „Wir präsentieren das Simultandolmetschen in drei mobilen Simultandolmetsch-Kabinen, die dafür zunächst auf einem Lkw ins Bundessprachenamt transportiert und in einem großen Sitzungssaal aufgebaut werden müssen. Die Kabinen sind nach vorn und zu den Seiten mit Fenstern ausgestattet, damit die Dolmetscher die Redner und das Publikum sehen können und umgekehrt. Das lässt mein Herz höher schlagen.“ Die meisten Menschen würden Simultandolmetschen doch nur aus dem Fernsehen kennen, „wenn Ronaldo Gast im Aktuellen Sportstudio ist, Portugiesisch spricht und von einem Unsichtbaren im Hintergrund laut und perfekt ins Deutsche gedolmetscht wird“.

Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten

Beim Tag der Bundeswehr wird mehrfach live in Deutsch, Französisch, Englisch und Russisch am Beispiel eines Fachvortrags vorgeführt, wie das Simultandolmetschen funktioniert. Dabei unterstützen Konferenzdolmetscher-Kollegen des Bundessprachenamtes aus Koblenz und Geilenkirchen. „Danach informieren wir Interessenten auch gern über Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Dolmetschen. Heute ist zum Beispiel für Juristen und Ingenieure auch ein Quereinstieg in das Studium möglich.“