„Zum Abschied der Luftwaffe in Penzing“ lautet der Untertitel der Ausstellung „Servus Transall“, die jetzt im Landsberger Stadtmuseum eröffnet wurde. Mit diesem und anderen Beiträgen und Veranstaltungen blickt das Lufttransportgeschwader (LTG) 61 in Penzing als der älteste fliegende Einsatzverband der Luftwaffe auf seine 60-jährige Geschichte zurück – und verabschiedet sich gleichzeitig aus der Region.

C-160-Transall in der Luft
Das Ende einer Ära: Das LTG 61 verabschiedet sich aus dem Voralpenland. (Quelle: Bundeswehr/Thomas Ziegler)

Passend zum letzten großen Fest für die Öffentlichkeit auf dem Fliegerhorst in Penzing, dem „Tag der Bundeswehr“, und dem Jubiläum „60 Jahre Lufttransportgeschwader 61“, zeigt das Landsberger Stadtmuseum eine Sonderausstellung mit dem Namen „Servus Transall“.

Sonderausstellung im historischen Rathaus

Oberst Daniel Draken steht am Rednerpult
Oberst Daniel Draken begrüßt die geladenen Gäste (Quelle: Bundeswehr/Eduard Wagner)

Bei einem feierlichen Festakt im historischen Rathaus eröffneten der Oberbürgermeister der Stadt Landsberg, Matthias Neuner, und der Kommodore des LTG 61, Oberst Daniel Draken, die Ausstellung, zu der rund 200 geladene Gäste kamen.

Ein langes Kapitel der fliegenden Luftwaffe in Landsberg geht zu Ende. Nicht nur die restlichen Transall C-160 des Geschwaders, sondern auch die Soldaten werden die Region verlassen.

Seit 1971 startet die Transall vom Heimatflughafen Penzing aus in Einsätze rund um den Globus. Die Auflösung des Lufttransportgeschwaders 61 im Dezember 2017 beendet die fast tägliche Präsenz der Transall am Himmel über der Stadt Landsberg.

Die „Engel der Lüfte“ beenden ihren Dienst in Penzing. Und keiner will es so richtig wahrhaben und noch niemand kann sich vorstellen, dass auf dem Fliegerhorst in Penzing bald keine Transalls mehr starten und landen.

„Die Bundeswehr hat uns die Kasernentore weit geöffnet“

Anlässlich des Transall-Abschieds will die Stadt Landsberg in dieser Sonderausstellung über die Arbeit der Soldaten eines fliegenden Verbandes berichten. Stabsfeldwebel Herbert Wintersohl, Ladungsmeister beim LTG 61, hatte vor zwei Jahren die Idee dazu. Besonders, weil die Ausstellung davor, „Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg“, so erfolgreich und für das Stadtmuseum die besucherstärkste Ausstellung der vergangenen Jahre war. „Dabei wurde die Idee geboren, etwas über den Fliegerhorst, über den Abschied der Transall und die Soldaten in Penzing zu machen“, so Sonia Fischer, Leiterin des Stadtmuseums. Aus den vielen Ideen wurden schnell Taten, um das neue Projekt bis zum Sommer 2017 umzusetzen. Die ersten Begehungen des Fliegerhorstes fanden im Sommer 2016 statt. „Die Bundeswehr hat uns die Kasernentore weit geöffnet“, unterstrich Sonia Fischer, Kuratorin der jetzigen Ausstellung.

Schätze auf dem Dachboden geborgen

Exponate in einem Ausstellungsraum
Die Exponate erzählen Geschichten von Soldaten des Fliegerhorsts in Penzing. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Herbert Wintersohl konnte den Kommodore des LTG 61 für dieses neue Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Fliegerhorst gewinnen. Kern des Ausstellungskonzeptes war es, Soldaten ihre ganz persönlichen Geschichten im Fliegerhorst und bei zahlreichen Einsätzen erzählen zu lassen. Auch auf so manchem Dachboden wurde nach Objekten aus dem Arbeitsalltag der Soldaten gestöbert, die dann nach sorgfältiger Auswahl als Ausstellungsstücke im Museum landeten.

Ausstellung erzählt rührende und tragische Geschichten

Ein großer Schlüssel, den die Alliierten symbolisch am 14. Dezember 1957 bei der Übergabe der „Landsberg Air Base (LAB) Area A“ überreichten, ist eines der Exponate.
Auf rund 200 Quadratmetern in drei verschiedenen Räumen sind Modelle, Karten, aber auch persönliche Gegenstände zu sehen. Zum Beispiel die Tasche eines pensionierten Piloten. „Die Patches darauf dokumentieren das Soldatenleben. Der Besitzer der Tasche wollte sie erst gar nicht rausrücken, weil sie ihm so viel bedeutet“, so die Museumsleiterin.

Soldat erklärt den Besuchern das Schnittmodell eines Transall-Fahrwerks.
Ein Transall-Fahrwerk im Schnittmodell zeigt technische Details. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Aber auch tragische und rührende Geschichten werden erzählt: wie die Dankschreiben aus der Bergrettung oder ein Wrackteil einer verunglückten Transall. Technikinteressierte können sich ins Cockpit setzen oder das Schnittmodell eines Transall-Fahrwerks studieren.

Die Ausstellung beleuchtet die lange Geschichte der Luftwaffe in Penzing: von der Gründung des LTG 61 im Jahr 1957 in Erding mit Verlegung über Neubiberg nach Penzing über die ersten dort stationierten Flugzeuge und Helikopter bis hin zu den zahlreichen humanitären Hilfseinsätzen in aller Welt und der Friedensmission in Afghanistan.

Künstlercartoon über das Leben einer Transall

Einige Soldaten vom Geschwader erzählen in Interviews ihre eigene Geschichte von ihrem Soldatenalltag und ihrer Verbundenheit zur Region. Diese sind in einer Multimediashow an den einzelnen Stationen zu sehen, beziehungsweise zu hören. Sie identifizieren sich sehr mit ihrer eigenen Arbeit. Viele Soldaten sehen die Schließung des Fliegerhorstes mit Wehmut.

Soldat vor seinem Funkgerät aus alten Zeiten
Stabsfeldwebel Dieter Schubert vor seinem Funkgerät aus der damaligen Zeit. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Stabsfeldwebel Dieter Schubert berichtet über seine Arbeit im Einsatz als Fernmeldespezialist. Aber auch über die Übertragung von Boris Beckers legendärem Wimbledon-Sieg in die afrikanische Wüste.

Ein Highlight der Ausstellung: Der Landsberger Künstler Dieter O. Klama zeigt in einem lebendigen Cartoon den Lebenslauf einer Transall C-160.

Ausstellung mit Vielfalt und großer Bandbreite

Am Tag der Eröffnung überzeugte sich Oberst Daniel Draken beim Presserundgang von der Vielfalt und der großen Bandbreite der Ausstellung. Er lies es sich nicht nehmen, auch als Protagonist zur Verfügung zu stehen: in einem Video im nachgebauten Transall-Cockpit erklärt er dasselbe. „Es werden Menschen vorgestellt, die täglich professionell und hoch motiviert ihren Dienst versehen und das LTG 61 zu dem gemacht haben, was es heute im Lufttransportverbund darstellt – einfach fantastisch und einzigartig“, so der Kommodore über die gelungene Ausstellung.

Und genau das hat das Team aus Museumsmitarbeitern und Soldaten sowie zivilen Mitarbeitern vom LTG 61 bei der Auswahl der Protagonisten und Exponate umgesetzt. Sind Sie jetzt neugierig? Kommen Sie und besuchen Sie die Ausstellung „Servus Transall – zum Abschied der Luftwaffe in Penzing“.

Die Ausstellung ist noch bis zum 1. Oktober 2017 zu sehen. Dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr. Samstag, Sonntag und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Mehr Informationen finden Sie HIER.