Parken zwischen Zuckerrüben

Über Jagel wird zum Tag der Bundeswehr am 15. Juni nicht nur am Himmel viel los sein, sondern auch auf den Straßen rund um den Fliegerhorst. Um ein Verkehrschaos bei der An- und Abreise zu vermeiden, haben die Kameraden des Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ ein Konzept entwickelt, das sich auf drei Großparkplätze rund um den Fliegerhorst abstützt.

Platz für die Bundeswehr

Für sechs Landwirte ist Anfang Juni schon Erntezeit: von 14 Koppeln fahren sie die verschiedenen Getreidesorten ein oder mähen die Wiesen. Denn kurz darauf kommt Hautfeldwebel Finn Matzen mit seinen Kameraden und funktioniert Äcker und Wiesen zu Großparkplätzen um. „Wir brauchen 25.000 Stellplätze und 120 Busse, um die erwarteten 40.000 Besucher von den drei Parkplätzen zum Veranstaltungsgelände zu bringen“, erklärt Matzen, der neben seinem eigentlichen Job als Fuhrparkbeauftragter vor knapp einem Jahr begann, das Verkehrskonzept zu erstellen. Wobei – hoffentlich – nicht alle mit dem Auto kommen werden. Deswegen gibt es direkt an zwei Eingängen auch große Fahrradparkplätze. Die Wege dorthin sind entlang der Fahrradwege im Umkreis ausgeschildert.

Wie kommt man überhaupt auf die Parkplätze?

„Das Wichtigste ist: lassen sie ihr Navi ausgeschaltet oder fahren Sie nach unserem eigenen QR-Code“, empfiehlt der Hauptfeldwebel. Denn die kürzesten Wege zu den kostenlosen Parkplätzen sind in großem Umkreis um Jagel genau ausgeschildert. Wer versucht, auf eigene Faust oder „so wie immer“ zu fahren, werde wegen der umfangreichen Absperrungen scheitern – und verursacht mit Wendemanövern eher selbst einen Stau. Sogar auf der Autobahn A7 wird der Verkehr bereits entsprechend gelenkt werden. Von Süden kommend muss man bereits in Owschlag abfahren, von Norden in Jagel. Die Parkplätze P1 im Osten, P2 im Norden und P3 im Südwesten sind maximal 3 Kilometer Luftlinie vom Flugplatz entfernt. Parkplatz P4 ist ausschließlich für Radfahrer reserviert, P5 zusätzlich für Schwerbehinderte mit Berechtigungsausweis. Im Internet und auf den zahlreichen Postkarten, die noch verteilt werden, gibt es QR-Codes, die direkt auf die Parkplätze leiten werden.

Umleitung wegen Vollsperrung der B77

Gewisse Einschränkungen wird es auch für Verkehrsteilnehmer geben, die nicht zum Tag der Bundeswehr wollen. Denn die B77 ist bereits ab 7.00 Uhr bis 20.00 Uhr zwischen Jagel und dem Kreisel am Autohof Wikingerland gesperrt, um die Rettungswege freizuhalten. Die Umleitung wird über Selk und Brekendorf ausgeschildert. Abschnittsweise ist ein Tempolimit von 30 bzw. 50 Kilometern pro Stunde ausgewiesen. Neuralgischer Punkt könnte der Busdorfer Kreisel werden, weil auf der Umleitungsstrecke auch der Weg zum Parkplatz verläuft. Noch eine Zahl gefällig? Die Bundeswehr hat die Aufstellung von 460 zusätzlichen Schildern und Hinweistafeln entlang der Straßen beauftragt.

Soldat markiert etwas auf Landkarte
Die ersten Baumaßnahmen für das Verkehrskonzept haben auf dem Fliegerhorst Jagel begonnen (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)

Veranstaltungsinfos schon am Parkplatz

65 Hektar landwirtschaftliche Fläche hat das Bundeswehrdienstleistungszentrum für Parkplätze bei den Landwirten unter Vertrag genommen. Nach dem Walzen wird mit Bändern trassiert und die Zufahrten mit Schotter befestigt. Dass Regen die Flächen unbenutzbar machen könnte, glaubt der Hauptfeldwebel nicht; die Böden seien sehr sandig, trocknen schnell ab, aber seien derzeit sowieso viel zu trocken. „Im Falle eines Falles halten die rund 40 eingeteilten Soldaten aber an jedem Parkplatz noch Bergegerät, Abschleppseil und Starterkabel zur Verfügung“, so Matzen. Zur ersten Orientierung verteilt das Parkplatz-Personal auch einen Flyer mit Programm und Lageplan. Er hat an alles gedacht – sogar an eine CD, die den Leuten in den Bussen eine Begrüßung des Kommodores, Oberst Kristof Conrath auf dem Weg zum Fliegerhorst vorspielt.

Ein Verkehrsfluss wie im Karussell

Die allesamt zivilen Busse mit je zwei Fahrern steuern drei verschiedene Haltestellen am Veranstaltungsgelände an. Dass es dort rund läuft, dafür sorgt Stabsfeldwebel Stefan Fey – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Straße rund um das Veranstaltungsgelände im Süden des Flugplatzes kann nur in einer Richtung befahren werden. „An den Haltestellen bauen wir derzeit eine eigene Busspur, damit es keinen Stau gibt“, berichtet Fey. Und noch etwas soll gebaut werden: eine Brücke vor dem Eingang Ost sorgt dafür, dass Fußgänger die Straße queren können, ohne den Busverkehr anzuhalten. „Der Shuttleverkehr muss wie im Karussell laufen. Mehr als drei Minuten darf kein Bus irgendwo stehen“, so Hauptfeldwebel Matzen weiter. Natürlich ist auch an die Besucher gedacht, die mit der Bahn kommen: zehn Busse pendeln zwischen dem Bahnhof Schleswig und dem Fliegerhorst.

Von vielen Instanzen gebilligt

„Mit diesem Verkehrskonzept sind wir in der Lage, der Menge an Leuten Herr zu werden“, ist sich Finn Matzen sicher und hat dafür mit seinen Kameraden Tests durchgeführt, wie lange es dauert, bis alle im Bus sitzen und ein Kinderwagen eingeladen ist. Schließlich hat das Konzept auch die Beamten von der Straßenverkehrsbehörde Schleswig-Flensburg, der Autobahndirektion, vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr und der Polizei überzeugt. Letztere sind natürlich am Tag der Bundeswehr präsent und setzen die Absperrungen durch – während Hauptfeldwebel Matzen im Lagezentrum sitzt und die Verbindung zu seinen 300 Soldaten und 280 Busfahrern hält.

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