Mr. Hicks und die Rosinenbomber

Soldat am Telefon
Kurz vor dem Tag der Bundeswehr läuft das Telefon bei Paul Hicks in Faßberg heiß. (Quelle: Bundeswehr/Christian Vierfuß)

Kurz vor dem Tag der Bundeswehr steht das Telefon nicht still. „Nein, ich brauche keine britische Militärband mehr, unser Programm ist voll … Ein Doppeldecker-Flugzeug? Nein, die Ausstellungsfläche auf dem Fliegerhorst platzt aus allen Nähten, da geht gar nichts mehr.“ Oberstabsfeldwebel Paul Hicks ist jetzt gefühlt rund um die Uhr im Einsatz. Faßberg feiert vom 13. bis 15. Juni gleich doppelt, denn zum Tag der Bundeswehr jährt sich auch das Ende der Luftbrücke zum 70. Mal.

20 Original-Rosinenbomber

Rosinenbomber auf Flugfeld
Original-Rosinenbomber werden den „Luftbrücken-Spirit“ hautnah erlebbar machen. (Quelle: Luftbrückenmuseum Faßberg/Archiv Luftwaffe)

Für den Informationsfeldwebel Paul Hicks und den gesamten Fliegerhorst wird das der krönende Abschluss von drei Jahren harter Arbeit. Mehr als 20 Original-Rosinenbomber aus der ganzen Welt werden zum Tag der Bundeswehr nach Faßberg kommen. Flugzeug-Veteranen aus Alaska, Südafrika oder den USA, ehemalige Piloten oder Luftbrücken-Kinder, die vor 70 Jahren Schokolade und Bonbons an winzigen Fallschirmen hinterherjagten.

Einmaliges Erlebnis

Soldat blickt auf Flugfeld
Der Faßberger Fliegerhorst während der Luftbrücke. (Quelle: Luftbrückenmuseum Faßberg/Archiv Luftwaffe)

Minister, Militärattachés, internationale Gäste oder militärische Abordnungen aus den USA oder Großbritannien werden dabei sein und der Bundespräsident ist Schirmherr. Am Nachmittag des 15. Juni, als Höhepunkt des Tages der Bundeswehr, werden die Rosinenbomber dann die Luftbrücke erlebbar machen und im Minutentakt nach Berlin starten. Wenn die letzte DC-3 in Faßberg abhebt, wird die erste Maschine bereits in Berlin sein. „Die Geschichte der Luftbrücke wird für die Zuschauer erstmals sichtbar und erlebbar werden, vermutlich auch zum letzten Mal, und Faßberg wird zum Botschafter des ‚Luftbrücken-Spirits‘ mit Brückenschlag zu den humanitären Einsätzen der Bundeswehr heute“, schwärmt Hicks, der auf dem Fliegerhorst schon den Spitznamen „Mr. Rosinenbomber“ trägt.

Mr. Rosinenbomber

Mehrere Soldaten nebeneinander
Oberstabsfeldwebel Hicks in seinem Element mitten in einer Besuchergruppe am Luftbrückenmuseum des Fliegerhorsts. (Quelle: Bundeswehr/Victor Manuel Olivos Matta)

Der gebürtige Brite fing bei der Royal Air Force als Soldat an. Mit der NATO ging er weltweit in den Einsatz. Seit 1983 gehört er zur Luftwaffe. Aber erst im Juni 2000 begann für den 57-Jährigen seine Traum-Verwendung: die Arbeit als Informationsfeldwebel und damit auch die Leitung der Militärgeschichtlichen Sammlung des Ausbildungszentrums der Luftwaffe und der Erinnerungsstätte Luftbrücke in Faßberg. Paul Hicks hat viel Herzblut in seine Arbeit und das in Deutschland einzigartige kleine aber feine Luftbrückenmuseum in Faßberg gesteckt.

Immer im Einsatz

In der Region ist er gut vernetzt und bekannt wie „ein bunter Hund“. Am liebsten ist er immer mitten im Geschehen und „Feuer und Flamme“, wenn er von Anfang an vorne dabei sein und mitgestalten kann. „Das Netzwerk, auch jetzt zum Tag der Bundeswehr, funktioniert nur, weil ich mich für die Medienarbeit interessiere. Mein Job ist kein Schreibtischjob und er endet nicht um 17 Uhr. Das Netz und die Medienlandschaft schlafen ja auch nicht ab 17 Uhr!“, betont Hicks.

Bald ist Schluss

Zivilist und Soldat sitzen nebeneinander
Noch keine Zeit für den Ruhestand: Oberstabsfeldwebel Hicks (rechts) bei der Feinplanung für den Tag der Bundeswehr. (Quelle: Bundeswehr/Carsten König)

Der Oberstabsfeldwebel könnte längst als Pensionär auf dem heimischen Sofa sitzen. Zweimal hat er seine Dienstzeit bei der Bundeswehr bereits verlängert. „Meine Zeit in der Luftwaffe hat wirklich Spaß gemacht, weil ich viele interessante Menschen kennengelernt habe. Mit vielen bin ich noch heute befreundet. Menschen, die auch außerhalb der Regeln und Grenzen denken, die offen reden, auf die ich mich verlassen kann und die – bedingt durch die vielen Auslandseinsätze – vom Kopf her kosmopolitisch beweglich sind.“
Im September will er seine Uniform aber endgültig an „den Nagel hängen“. Und plötzlich blitzt es in den grauen Augen: „Ich kann mir aber gut vorstellen, noch die eine oder andere Wehrübung zu machen, vor allem für so einen Großevent wie den Tag der Bundeswehr“, sagt Paul Hicks und lacht verschmitzt.

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