Fliegerkombi statt Anzug mit Krawatte – und umgekehrt: der Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61, Oberst Daniel Draken, und der Oberbürgermeister der Stadt Landsberg am Lech, Mathias Neuner, tauschten für einen Tag ihren Job. Die Einblicke in die Berufswelt der jeweils anderen Seite gestaltete sich sehr vielschichtig.

Oberbürgermeister Neuner in Soldatenuniform sitzt mit drei Soldaten im Cockpit einer Transall
Dienstaufsicht in der Transall: Tages-Kommodore Mathias Neuner saß auf dem Navigator-Sitz im Cockpit und genoss den Blick auf seine Stadt von oben. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Der Flugdienstanzug lag schon seit Tagen bereit. Natürlich mit dem Transall-Namensschild, dem Gamsbock-Geschwaderwappen, und dem Jubiläumspatch „60 Jahre Lufttransportgeschwader 61“ versehen.

Punkt 7 Uhr und damit etwas früher als sonst begann für Mathias Neuner ein überhaupt nicht alltäglicher Arbeitstag. Der Weg führte ihn diesmal nicht in sein schickes Designer-Büro in der Stadtverwaltung der Kreisstadt Landsberg am Lech, sondern an den großen, schweren Eichentisch im ehrwürdigen, denkmalgeschützten Stabsgebäude des Lufttransportgeschwaders 61.

Ziemlich unterschiedliche Rahmenbedingungen

Oberbürgermeister Neuner in Soldatenuniform steht einem Soldaten gegenüber und verliest den Text einer Auszeichnung
Oberbürgermeister Mathias Neuner zeichnet verdiente Kameraden mit der Einsatzmedaille aus. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Es gab für beide viele Perspektivwechsel: während Neuner bei der Stadtverwaltung von „nur“ 492 Mitarbeitern Chef ist, hört beim Lufttransportgeschwader (LTG) 61 knapp die doppelte Menge auf das Kommando des Kommodore.

Ganz anders sieht es dafür bei den Finanzen aus. Das Budget des Oberbürgermeisters umfasst locker einen zweistelligen Millionenbetrag.

„Das Budget, über das ich persönlich verfügen kann, beträgt wenige hundert Euro in Form eines Repräsentationsfonds – und die sind im Februar aufgebraucht“, kommentierte Oberst Daniel Draken trocken. Die restlichen Betriebsausgaben werden über die Verwaltung gesteuert.

Für Draken begann der Arbeitstag mit dem erneuten Binden der Krawatte. Denn „seine“ Vorzimmerdamen hatten dem Tages-Oberbürgermeister die spezielle Stadt-Krawatte vorbereitet.

Tag der Bundeswehr im Fokus

Oberbürgermeister Neuner in Soldatenuniform zeigt auf sein Namensschild
Ein Namensschild muss sein: Mathias Neuner mit Transall. (Quelle: Bundeswehr/Uwe Lenke)

Tages-Kommodore Mathias Neuner erhielt ein Briefing von den Kommandeuren des LTG 61.
Währenddessen fünf Kilometer weiter für Daniel Draken eine Besprechung der Abteilungsleiter und Referenten aus allen Bereichen der Stadtverwaltung auf dem Programm stand.

Die Mitglieder der Stadtspitze nutzten die günstige Gelegenheit, von Oberst Draken Informationen aus erster Hand über die Zukunft des Fliegerhorstes zu erhalten.

Denn einige Hektar des vorwiegend auf Penzinger Flur gelegenen Geländes gehören zur Stadt Landsberg.

Andererseits konnte sich Mathias Neuner bei der Besprechung der Arbeitsgruppe „Tag der Bundeswehr“ von der professionellen Vorbereitung durch das LTG 61 überzeugen. Die erwarteten 40.000 Besucher betreffen die Stadt nicht nur in verkehrstechnischer Hinsicht. Viele Bürger der Region erwarten den Tag mit großer Spannung. Angesichts der Auflösung des LTG 61 zum Jahresende 2017 werden der Tag und das Flugprogramm auch ein Abschied von der Öffentlichkeit sein.

Nicht zufällig führte der Stadtrundgang den Tages-Oberbürgermeister auch ins Museum der Stadt. Dort wird Oberst Draken zusammen mit Oberbürgermeister Neuner Anfang Juni eine Ausstellung mit dem Titel „Servus Transall“ eröffnen.

Weitere Arbeitsplatzwechsel geplant

Oberst Draken im zivilen Anzug zeigt auf sein Namensschild
Oberbürgermeister für einen Tag: Auch der Kommodore vom LTG 61 hat ein anderes Namensschild als sonst. (Quelle: Bundeswehr/Max-Joseph Kronenbitter)

„Der Jobtausch ist ein neuer Weg, die Interaktion Bundeswehr und Gesellschaft zu beleben“, sagte Oberst Daniel Draken. Die weggefallene Wehrpflicht dürfe nicht dazu führen, dass die Bundeswehr als geschlossenes System wahrgenommen werde.Dass dem zumindest bei der Stadt Landsberg nicht so ist, freute den richtigen Kommodore. Stadtkämmerer Peter Jung präsentierte Draken seinen Finanzbericht augenzwinkernd als „Lagevortrag zur Unterrichtung“, wie es im Bundeswehr-Jargon oft heißt.

Als Fallschirmspringer-Hauptmann der Reserve verzichtete er auf die Feindlage und kam sofort zu den eigenen Kräften.

Für das gegenseitige Verständnis genüge es nicht, offizielle Termine auf hoher politischer Ebene wahrzunehmen. Deswegen verstehen die Landsberger diesen Jobtausch als Auftakt für weitere. Für den Arbeitsplatztausch eines Fliegerarzt-Rettungsassistenten mit seinen zivilen Kollegen vom Bayerischen Roten Kreuz gibt es bereits ein Datum. Darüber hinaus wird ein Triebwerkstechniker der Transall mit einem Kollegen aus der zivilen Industrie die Arbeitswelt tauschen.

Oberbürgermeister Neuner in Soldatenuniform und Oberst Draken im zivilen Anzug sitzen am Tisch vor einem aufgeschlagenen Buch
Der Oberbürgermeister Mathias Neuner in Uniform und Oberst Daniel Draken im zivilen Anzug beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Landsberg. (Quelle: Stadt Landsberg/Sedlmair)

Auszeichnungen vom uniformierten Oberbürgermeister

Ein Zusammentreffen der beiden Jobtauscher gab es dann am Nachmittag im Offizierskasino des Geschwaders. Dorthin kam der Tages-Kommodore Mathias Neuner sichtlich beeindruckt. Er nutzte die Pflicht zur Dienstaufsicht eines militärischen Vorgesetzten zu einem Flug mit der Transall C-160 über seine Heimat.

Assistiert vom richtigen Kommodore zeichnete der richtige Oberbürgermeister höchst professionell mehrere Soldaten mit der Einsatzmedaille der Bundeswehr aus: „Ich danke Ihnen für Ihren Dienst“, sagte Neuner und schloss damit auch den Dank für die vielfältigen neuen Eindrücken dieses Tages mit ein. Für den Tages-Oberbürgermeister Daniel Draken war der Dienst noch nicht beendet. Nach Einarbeitung in die Geschäftsordnung leitete der Zivilist Draken noch die Sitzung des Finanzausschusses. Abschließend trug sich Draken auf der aller letzten Seite des seit über hundert Jahren geführten goldenen Buches der Stadt ein.