Logo
  • Startseite
  • Jobtausch – Bürgermeister und Kommandeur für einen Tag

Jobtausch – Bürgermeister und Kommandeur für einen Tag

Das Informationstechnikbataillon 293 ist seit jeher eng mit „ihrer Garnison“ vernetzt. Doch was der Eine im Rathaus oder in der Kaserne macht, kann sich der Andere gar nicht so richtig vorstellen. Deshalb tauschen der Kommandeur des Informationstechnikbataillons 293 und der Erste Bürgermeister der Marktgemeinde Murnau für einen Tag den Job.

Morgens in der historischen Fußgängerzone in Murnau wechseln Oberstleutnant Jürgen Eckert und Rolf Beuting die Uniform beziehungsweise den Anzug. „Eigentlich hab ich gar nicht lange suchen müssen bis ich sie zu Hause gefunden habe“, sagt Beuting als er aus der Umkleide tritt und auf seine blank geputzten Kampfstiefel deutet. Ziemlich genau 30 Jahre ist es her, dass er sie nach seiner Zeit als Wehrpflichtiger ausgezogen hatte. Das weißblaue Bataillonswappen mit dem Blitze speienden Lindwurm am Ärmel und die gelben Funker-Litzen an den Dienstgradschlaufen machen ihn dann endgültig zu einem Murnauer IT-Soldaten.

Start im Rathaus

Mann am Schreibtisch, davor steht eine Frau
Ungewohnter Schreibtisch für einen Tag. (Quelle: Bundeswehr)

Für den „Bürgermeister für einen Tag“ Oberstleutnant Eckert geht es zunächst ins Rathaus, wo er von der Zweiten Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens den Mitarbeitern vorgestellt wird. Er stellt fest, dass die verschiedenen Abteilungen den militärischen Stabsabteilungen gar nicht so unähnlich sind. „Nur das hier das Spektrum wesentlich größer ist. Vom einzelnen Goldfisch bis zum 42 Millionen Haushalt ist alles dabei – und nicht immer ist der Haushalt das wichtigste Thema“, resümiert Eckert. Aber auch Unterschiede gibt es. „Als Kommandeur wächst man in seine Aufgabe hinein, als Bürgermeister kann es passieren, dass man ohne Erfahrung ins Amt kommt.“

Wochenstart im Bataillon

Für Beuting, den „Bataillonskommandeur für einen Tag“, geht es in die Werdenfelser Kaserne, wo er eine Schnelleinweisung in die Aufgaben und Struktur des Informationstechnikbataillons 293 erhält – und natürlich über seinen Dienstplan. Wichtig zum Wochenstart: die Chef-/Stabsbesprechnung. Dort warten rund 25 Personen auf ihren heutigen Chef. Es folgt ein kurzes Briefing, dann im kleineren Kreis die Lage in den Einsatzgebieten. Besonders beeindruckt ist Beuting von den Informationen zum Tag der Bundeswehr am 9. Juni mit 12.000 erwarteten Besuchern. „Ich hätte nicht gedacht, mit welcher Professionalität und Akribie dieser große Tag für Murnau vorbereitet wird“, so Beuting.

Freude an der neuen Aufgabe

In der Zwischenzeit geht es für Eckert zur „Cold-Water-Grill-Challenge“. Das ganze dient dem guten Zweck, da die Einnahmen an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden. Weiter geht es zum „Innovationsquartier“. Bei dem durch die Gemeinde unterstützten Projekt beziehen junge Unternehmer und Start-Ups preiswerte Arbeitsräume und Werkstätten – vom Schreiner über 3D-Cutter bis hin zum Künstler. Besonders beeindruckt ist Eckert von einem Ein-Mann-Projekt, der Synthesizer herstellt.

Auf der Baustelle

Nächster Termin: die Baustelle, des zu restaurierenden Rathauses. Marktbaumeister Klaus Tworek schildert den Fortschritt und gibt dem interessierten „Bürgermeister für einen Tag“ gleich einen historischen Exkurs zur Geschichte des Gebäudes. Denn das neue Rathaus findet Platz im historischen Rathaus. Im Herbst soll es fertig sein, denn dann seien ja schließlich Wahlen in Murnau und die Bürger können ihre Briefwahlunterlagen im Rathaus abholen.

Im Museum

Danach bekommt Eckert eine exklusive Führung durch das Schlossmuseum Murnau, in welchem sich bedeutende Werke von in Murnau wirkenden Künstlern befinden – von Wassily Kandinsky bis zum Schriftsteller Ödön van Horváth. Besonders angetan haben es Eckert die Werke von Gabriele Münter.

Schießen

Soldat bring Ehrenabzeichen an
Gar nicht mal so leicht das Ehrenabzeichen anzubringen. (Quelle: Bundeswehr)

Währenddessen stellte Bürgermeister Beuting bei der Dienstaufsicht beim Schießen fest, dass es nach 30 Jahren in der Bundeswehr ein neues Gewehr gibt. Ein weiterer Quantensprung ist die Bedingung, nunmehr mit einer knapp zehn Kilo schweren Splitterschutzweste und Brille zu schießen. Zum Dienstschuss gibt es auch noch eine förmliche Amtshandlung: Vor der angetretenen vierten Kompanie verleiht Beuting eine Auszeichnung für besondere Leistungen im Truppendienst in Gold und ein Tätigkeitsabzeichen.

Am Ende viel gelernt

Zum Abschluss trifft man sich wieder. „Ich war überrascht, wie vielseitig die Aufgaben sind. Es war ein interessanter und abwechslungsreicher Tag. Ich empfehle allerdings meinem Nachfolger diesen Tausch wesentlich zeitiger zu machen. Doch jetzt freue ich mich wieder auf meine Kaserne“, fasst Eckert den Tag zusammen. Der „Kommandeur für einen Tag“ wiederum meint: „Die Soldaten, die ich heute getroffen haben sind vor allem eins: Mitbürger in Uniform. Ich habe in Sachen Menschlichkeit und Umgang nichts Fremdes erlebt.“ Sichtlich froh, wieder in der gewohnten Kleidung zu sein, trennen sich Bürgermeister und Kommandeur – reicher an Erfahrung und Wertschätzung für den Job des Anderen.


Mehr zum Thema