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Interview: „Wie bei den Profis haben wir eine kleine Rivalität mit den Engländern“

Fußball spielen und dafür Geld bekommen – für viele ein Traum. Kapitänleutnant Sven Steingräber darf ihn leben: In der Bundeswehr-Nationalmannschaft ist er seit 2013 Torwart. Schon die Kameradschaft in der Grundausbildung gab ihm dafür den nötigen kleinen Extra-Kick. Sein nächstes Match: am Tag der Bundeswehr gegen eine britische Elf.

Herr Kapitänleutnant, was bedeutet es für Sie persönlich, ein Teil der Bundeswehr-Fußball-Nationalmannschaft zu sein?

Als ich an der Helmut-Schmidt-Universität studierte, lag ein Flyer für den sogenannten „BM-Cup“ aus. Bei dem spielen alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr gegeneinander. Im Vorfeld des Turniers hatte die Streitkräftebasis ein Trainingslager organisiert. So sollte dann die Mannschaft zusammengestellt werden. Ich habe mich dort beworben und anscheinend einen so guten Eindruck hinterlassen, dass ich ein halbes Jahr später eine Einladung für die Bundeswehr-Nationalmannschaft bekam. Man sagte mir, dass der damalige Betreuer des SKB-Teams mich empfohlen hätte. Und weil zu der Zeit ein Torwart gesucht wurde, bin ich zum Probetraining gefahren – und konnte auch dort überzeugen.

Ich habe es also durch eine Empfehlung geschafft, aber die meisten qualifizieren sich halt durch eine Bewerbung und ein anschließendes Sichtungstrainingslager. Wichtig ist, dass man mindestens auf Regionalliganiveau spielt.

Für mich persönlich ist es natürlich eine Ehre, Teil der Mannschaft zu sein. Denn es ist echt schwer, in das Team zu kommen. Unser Trainer erhält Bewerbungen von Unmengen guter Spieler.

Mit wie viel Jahren haben sie angefangen, Fußball zu spielen, und wann entschieden Sie sich für eine Karriere bei der Bundeswehr?

Mit dem Fußballspielen habe ich schon mit vier Jahren beim Eckernförder Sportverein angefangen. In der E-Jugend ging ich dann ins Tor. Für die Bundeswehr interessierte ich mich tatsächlich erst ab der elften Klasse, als es dann wirklich Zeit für mich wurde, meinen späteren Weg zu planen. Damals war noch mein Wunsch, Kampfschwimmer zu werden.

Wie lange braucht es, einen Neuling in das Team zu integrieren?

Wir haben regelmäßig Trainingslager für Neulinge, wie beispielsweise Mitte April in Aachen, wo wir dann zwei bis drei Mal am Tag trainieren und bis zu zwei Mal in der Woche spielen. Und nach den paar Tagen sind dann die Neuen schon so drin, als wären sie ein paar Monate dabei.

Ich denke, alleine dadurch, dass wir alle eine Grundausbildung gemacht haben und somit jeder ein Grundverständnis von Kameradschaft mitbringt, fließt das auch positiv in das Team ein. Hier lässt niemand die Mannschaft im Stich, wenn es mal wichtig wird, und es packt jeder mit an.

Soldat mit Fußball in der Hand
Sven Steingräber ist Kapitänleutnant und Torwart der Bundeswehr-Fußball-Nationalmannschaft. (Quelle: Bundeswehr/Marcel Kröncke)

Inwieweit unterscheidet sich ein Training bei der Bundeswehr vom Training im eigenen Verein?

Man merkt, dass das Ganze eine Spur professioneller abläuft. Wir nutzen zum Beispiel Flugdrohnen, um unsere Spielaufläufe zu analysieren. Das klappt so gut, dass ein Verein aus der dritten Liga, gegen den wir gespielt haben, diese Auswertungsmethode übernommen hat.

Was war bis jetzt das Eindrucksvollste, was Sie mit dem Bundeswehr-Team erleben durften?

Definitiv die Fußball-Militärweltmeisterschaft bei den Military World Games in Oman letztes Jahr. Also, das war wirklich so, wie man sich das im Profibereich vorstellt. Wir waren in einen super Hotel untergebracht und hatten ideale Trainingsbedingungen. Vom Hotel zum Trainingsplatz fuhren wir mit Polizei-Eskorte.

Auch die Eröffnungsfeier war ein einmaliges Erlebnis. Jeder Vertreter seiner Nation ist in einem Streitwagen mit Pferde-Zweispänner und seiner Landesfahne in das Stadion gefahren – und ich durfte die Eröffnung für uns übernehmen. Das werde ich nie vergessen!

Wie intensiv bereitet sich das Bundeswehr-Team auf ein internationales Spiel vor? Wie auf das kommende gegen die Mannschaft der British Army am Tag der Bundeswehr am 9. Juni in Rostock?

Es wird im Vorfeld ein Trainingslager geben. Außerdem haben wir schon einige Male gegen das Militärteam aus England gespielt und können deren Stärken und Schwächen ein bisschen einschätzen. Wir freuen uns auf jeden Fall auf das Spiel vor einer tollen Kulisse in Rostock.

Und einen kleinen zusätzlichen Ansporn haben wir natürlich: Wie auch bei den Profis gibt es bei uns eine kleine Rivalität mit den Engländern. Sie wollen unbedingt gewinnen, und wir wollen unbedingt gewinnen. Da kommt bestimmt ein spannendes Derby auf uns zu. Und das Match nutzen beide Mannschaften gleichzeitig auch als Testspiel für die demnächst beginnenden Qualifikationen der nächsten Military World Games.

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