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Holzdorfer Soldaten sichern den deutschen Luftraum

Im deutschen Luftraum bewegen sich pro Minute etwa 1.500 Flugzeuge – gleichzeitig. Damit ist es der am dichtesten beflogene Luftraum der Welt. Und alles was fliegt, wird von den Radargeräten der Luftwaffe erfasst – Position, Höhe und Geschwindigkeit werden automatisch an die Einsatzgefechtsstände übermittelt.

Die Luftwaffe sieht alles

Radargerät
VRED: Das verlegefähige Radargerät Einsatzführungsdienst steht in Holzdorf und sucht den Himmel ab. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)

Die Positionsdaten werden dort im System verarbeitet. Zeitgleich werden die erfassten Daten der Radargeräte mit Flugplänen abgeglichen. Unter Nutzung elektronischer Identifizierungsmittel und über die Zusammenarbeit mit den zivilen Flugsicherungsstellen werden dann alle Objekte im Luftraum identifiziert. Sämtliche Objekte und deren Flugbewegungen werden zu einem Gesamtluftlagebild zusammengefasst.

Das erstellte Luftlagebild wird dann per Datenaustausch mit den Luftraumüberwachungsstellen der Nachbarstaaten Deutschlands ausgetauscht. Des Weiteren wird das Luftlagebild an den NATO-Gefechtsstand in Uedem und an das „Nationale Lage- und Führungszentrum für die Sicherheit im Luftraum“ in Kalkar gesendet.

Sofortiges Handeln bei Vorfällen im Luftraum

Soldaten vor Computern
Die Soldaten des Einsatzführungsdienstes haben den Luftraum ständig im Blick. (Quelle: Luftwaffe/Rene Danny Kirchner)

Luftfahrzeuge, die den Luftraum verletzen, ohne Flugplan fliegen oder eine Gefahr für die Luftfahrt darstellen, werden sofort erkannt und gemeldet. Anschließend werden taktische Maßnahmen ergriffen.

„Bei der Erfassung eines „Vorfalls“ wissen wir nur, dass etwas unangemeldet in den deutschen Luftraum einfliegt, aber nicht wer und ob eine Genehmigung oder womöglich ein Notfall vorliegt“, so der verantwortliche Luftlageoffizier, der mit seinem Team für die Erfassung und Identifizierung aller Luftfahrzeuge zuständig ist.

Liegt beispielsweise kein Flugplan vor oder besteht kein Funkkontakt mit den Flugsicherungsstellen, dann kann dies eine Gefahr bedeuten. Das gesamte Luftverteidigungssystem der NATO wird sofort in Alarmbereitschaft versetzt.

Mit den Flugsicherungsstellen werden immer wieder die vorhandenen Informationen ausgetauscht und abgeglichen. Gleichzeitig wird mit dem NATO-Gefechtsstand in Uedem koordiniert, welche taktischen Maßnahmen erforderlich sind.

Alarm für die Eurofighter

Eurofighter auf Rollfeld
Die Alarmrotte steht auf dem Rollfeld und wartet auf die Startfreigabe. (Quelle: Luftwaffe/Carl Schulze)

Von allen Stellen wird probiert, Informationen über das Luftfahrzeug zu erhalten und über internationale Notfunkfrequenzen Kontakt herzustellen. Bleiben diese Bemühungen aber erfolglos, kommen die für solche Fälle bereit gehaltenen Abfangjäger, die sogenannte Alarmrotte, zum Einsatz.

Auftrag: Abfangen

Eurofighter und Learjet in der Luft
Eurofighter und ein LJ-35 EW Learjet bei einer Flugziel-Übung. Eurofighter üben hier das Abfangen eines nicht identifizierten Flugzeugs. (Quelle: Luftwaffe/Stefan Gygas)

Zwei bewaffnete Eurofighter führen dann einen Alarmstart durch. Innerhalb weniger Minuten steigen die Piloten mit ihren Jets in die Luft. Ihr Auftrag: das betreffende Luftfahrzeug schnellstmöglich abfangen und anschließend per Sicht identifizieren.
Die Waffeneinsatzsektion des Gefechtsstandes kommt nun ins Spiel. Der verantwortliche Chef-Jägerleitoffizier, der sogenannte Fighter Allocator, weist die anderen Jägerleitoffiziere mit knappen Worten in den Auftrag ein. Alles erfolgt in Englisch mit standardisierten Codewörtern und Abkürzungen. Alles muss schnell gehen, denn die Zeit läuft. Mit jeder Minute, die verstreicht, bewegt sich das Zielflugzeug mehrere Kilometer durch den deutschen Luftraum.

Arbeitsplätze werden vorbereitet, Funkfrequenzen eingewählt, Meldetafeln bereitgehalten. Jeden Augenblick checken die Eurofighter auf der eingewählten Frequenz ein.

Funkausfall im Luftraum

Soldaten in Lage- und Führungszentrum
Vom Nationalen Lage- und Führungszentrum für die Sicherheit im Luftraum aus wird der Himmel über Deutschland überwacht. (Quelle: Luftwaffe/Sebastian Wassenberg)

Sobald der Jägerleitoffizier Funkkontakt mit der Alarmrotte aufgebaut hat, unterstützt er die Kampfjets bei ihrem Auftrag. Er führt die Jets nah an ihr Ziel und lotst sie durch den deutschen Luftraum. Die Eurofighter erreichen die Maschine und übermitteln Flugzeugtyp und Registrierungsnummer. Es scheint, dass sich die Besatzung des zu identifizierenden Flugzeugs kooperativ verhält.

Die Besatzung hat offenbar technische Probleme – Funkausfall. Keine ernsthafte Gefahr, aber ein Risiko für die Sicherheit aller Beteiligten im Luftraum. Der NATO-Gefechtsstand entscheidet, die Maschine auf dem Militärflugplatz Holzdorf landen zu lassen. Die Alarmrotte wird es dorthin eskortieren. Das Luftfahrzeug folgt den Anweisungen der Eurofighter-Piloten. Zeitgleich wird sich auf dem Flugplatz Holzdorf auf die besondere Situation vorbereitet.

Kontrolle bis zum Ende

Radargerät
Für ein umfassendes Lagebild sind deutschlandweit zivile und militärische Radargeräte verteilt. (Quelle: Luftwaffe/Einsatzführungsbereich 3)

Der Jägerleitoffizier führt nun die Formation aus drei Flugzeugen bis zum Übergabepunkt an den Holzdorfer Kontrollturm. Die Alarmrotte kreist so lange über dem Flugplatz bis das Luftfahrzeug sicher am Boden gelandet und in Parkposition ist. Erst dann kehren die Jets zu ihrer Heimatbasis zurück und gehen wieder in Bereitschaft.

Meist ungesehen, aber doch fast täglich

So ein Szenario ist mehr oder minder Alltag im deutschen Luftraum. Vorfälle wie dieser ereignen sich etwa 250 Mal im Jahr. Aber das Luftverteidigungssystem der NATO ist rund um die Uhr im Einsatz – 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag leisten der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe und die deutschen Eurofighter-Alarmrotten ihren Teil dazu bei.

Tag der Bundeswehr 2018: Ein Erlebnis für Groß und Klein

Der Einsatzführungsbereich 3 und die Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 öffnen am 9. Juni 2018 Haus und Hof für jeden Besucher. Am Tag der Bundeswehr präsentieren sich die zwei Verbände auf dem Flugplatz in Holzdorf. Zahlreiche Flugzeuge, Kettenfahrzeuge und andere Großgeräte der gesamten Bundeswehr stehen für Sie bereit. Nehmen Sie ihre Familie und Freunde und kommen Sie nach Holzdorf. Auch die Soldaten, die unseren Luftraum Tag für Tag sichern, stehen Ihnen für Gespräche bereit.

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