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Feuerwehrfrau in Wunstorf – Feuer und Flamme in einer Männerdomäne

Frau in Feuerwehrschutzkleidung
Jennifer S. ist eine von insgesant drei Feuerwehrfrauen in Wunstorf. (Quelle: Bundeswehr/Klaus Sasse)

Jennifer S. ist eine von drei Frauen unter mehr als 70 Feuerwehrleuten bei der Bundeswehrfeuerwache Wunstorf. Die 32-Jährige sorgt mit ihren Kolleginnen und Kollegen für einen sicheren Flugbetrieb des Lufttransportgeschwaders (LTG) 62 auf dem Fliegerhorst Wunstorf, denn geflogen werden darf nur dort, wo der Brandschutz durch eine leistungsstarke Feuerwehr sichergestellt wird. Im Interview erzählt die zweifache Mutter über ihren Job auf einem der modernsten Militärflugplätze Europas, ihre Einsätze und die Chancen in ihrem Beruf.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Feuerwehrfrau bei der Bundeswehr zu werden und wie lange sind Sie schon Feuerwehrfrau?

Ich bin schon seit meinem 12. Lebensjahr in der Freiwilligen Feuerwehr und wollte mich nach der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beruflich umorientieren. Zufällig habe ich in der Zeitung eine Stellenanzeige von der Bundeswehr gelesen, bei der man sich im „Mittleren Feuerwehrtechnischen Dienst“ zur Brandmeisterin ausbilden lassen konnte. Mit den 18 Monaten Ausbildung kommen knappe zwölf Jahre bei der Feuerwehr zusammen, und wenn man die Zeit in der freiwilligen Feuerwehr noch mit dazu nimmt, 16 Jahre.

Welche Funktion haben Sie hier?

Ich habe das große Glück und wurde vor kurzem ausgewählt, einen höherwertigen Dienstposten als Staffelführerin zu bekleiden. Wenn alles gut geht, werde ich in Kürze auf den Dienstposten gesetzt und kann nach der Bewährungszeit sogar befördert werden. Der neue Dienstposten beinhaltet auch die Leitung der Atemschutzwerkstatt auf der Feuerwache Wunstorf.

Muss man eine Ausbildung haben, um bei der Bundeswehrfeuerwehr arbeiten zu können und wenn ja, wie lange dauert diese?

Feuerwehrleute betreten A400M
Während eines Übungsszenarios trainieren die Feuerwehrleute die Rettung von Menschen aus dem A400M. (Quelle: Bundeswehr/Klaus Sasse)

Die Ausbildung zum Brandmeister dauert 18 Monate, die Bundeswehr hat eigens dafür eine „Feuerwehrschule“ in Stetten am kalten Markt errichtet (Schule für ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben).
Die 18 Monate verbringt man jedoch nicht ausschließlich vor Ort. Nach dem Grundlehrgang geht es im Rahmen von Praktika zu verschiedenen Bundeswehrfeuerwachen bundesweit sowie zu mehreren Berufsfeuerwehren kommunaler Träger. Zum Abschluss der Ausbildung geht es dann wieder zurück an die Schule nach Stetten am kalten Markt.

Wie viele weibliche Kolleginnen und männliche Kollegen haben Sie hier?

Nachdem ich in den ersten Jahren die einzige Frau auf der Feuerwache Wunstorf war, sind wir seit vier Jahren zu dritt. Die männlichen Kollegen sind mit 69 in der Überzahl.

Woran liegt es, dass so wenig Frauen diesen Beruf ergreifen? Ist der Beruf zu gefährlich?

Keine Ahnung! Vielleicht sind es die körperlichen Voraussetzungen. Oder dass es ja wirklich eher so ein „Jungsding“ ist. Zu gefährlich würde ich nicht sagen. Wir sind dafür ausgebildet, schnell und gut zu reagieren. Gefährliche Situationen kommen ja auch nicht jeden Tag vor.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in Ihrem Beruf für Frauen?

Flugfeldlöschfahrzeug Z8 und A400M
Regelmäßige Löschübungen gehören zum Alltag der Feuerwehrleute. (Quelle: Bundeswehr/Klaus Sasse)

Die Nachteile sind meistens „hausgemacht“. Schwierig ist, dass man im ersten Moment mehr auf die Probe gestellt wird oder mehr Beachtung bekommt als die männlichen Kollegen. So etwas schafft unnötige Unruhe. Ich würde mir wünschen, dass die genaue Betrachtungsweise des Geschlechts nicht mehr vorkommt.
Deswegen möchte ich auch keine Vorteile aufzählen, die man nur als Frau in dem Beruf hat. Bei der Feuerwehr ist man im Team, und dem Feuer ist es egal, ob man männlich oder weiblich ist.

Ist der Beruf mit Ihrem Familienleben vereinbar?

Einfach ist es nicht. Gerade hier beim LTG werden die Wochenpläne, und damit unsere Arbeitszeit, immer erst am Donnerstag der Vorwoche bekannt gegeben. Auch die Wochenendveranstaltungen der Kinder müssen leider öfter ohne Mama stattfinden. Aber dafür gibt es auch freie Tage zwischendurch.

Konnten Sie selbst schon ein Feuer löschen?

Klar! Das muss in zwölf Jahren Feuerwehr auch sein.

Feuerwehrleute und Feuerwehrfahrzeug
(Quelle: Bundeswehr)

Was sind mögliche Schwierigkeiten, mit denen eine Frau in der Feuerwehr konfrontiert wird?

Eigentlich genau die Punkte, die ich schon versucht habe, bei den Nachteilen zu erklären. Es gibt einige Kollegen, von denen man wie ein rohes Ei behandelt wird, was bei anderen wieder zu Neid und Unruhe führt. Oder einige Kollegen vertrauen nicht auf die körperliche Fitness oder das handwerkliche Geschick bei Frauen und nehmen sie daher nicht richtig ernst. Im Allgemeinen hat sich eine Frau schon ihren Stand in einer Feuerwache zu erkämpfen. Ein neuer männlicher Kollege hat es da viel einfacher. Aber wahrscheinlich wird sich so ein Verhalten in der Zukunft ändern, wenn mehr Damen bei uns sind.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin geben, die sich für diesen Job interessiert?

Flugfeldlöschfahrzeug auf der Fahrt zur Feuerwache
Vertraut mit Großgerät: Ein Flugfeldlöschfahrzeug auf dem Weg zur Feuerwache (Quelle: Bundeswehr/Klaus Sasse)

Sie sollte sich im Klaren sein, dass so ein Feuerwehralltag auch viel von einem Internatsleben hat. Im 24-Stunden-Schichtdienst lernt man seine Kollegen sehr genau kennen. Es ist nicht wie im Büro, wo man sich innerhalb von acht Stunden ab und zu über den Weg läuft. Bei der Feuerwehr begegnet man sich auch in der Nacht mit ungekämmten Haaren, morgens nach dem Aufstehen oder man verbringt im Laufe der Jahre viele Feiertage miteinander. All das darf einen nicht stören.

Was ist für Sie das besondere am Standort Wunstorf?

Ein Teil der Bundeswehrfeuerwehr hier in Wunstorf zu sein, ist schon etwas Besonderes. Feuerwehr bei der Bundeswehr, und das auf einem Fliegerhorst, ist kein Job wie jeder andere, und ohne uns gäbe es hier keinen Flugbetrieb. Hinzu kommt, dass ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann und es hier tolle Möglichkeiten gibt, um sportlich fit zu bleiben.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Tag der Bundeswehr?

Auf der einen Seite Stress, denn viele Menschen bedeuten auch ein hohes Gefahrenpotenzial, auf der anderen Seite auch Stolz, dass ich den Menschen meine Arbeit als ein Teil der Bundeswehr zeigen kann.

Herzlichen Dank für das Interview. Sie haben das letzte Wort:

Ich hoffe, dass ich Sie ein wenig „neugierig“ gemacht habe. Neugierig auf die Bundeswehr am Standort Wunstorf. Besuchen Sie uns doch am Tag der Bundeswehr, am 9. Juni 2018, hier in Wunstorf.

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