Die Bundeswehr als Lebensretter

Eine Verletztenrettung als attraktiver Publikumsmagnet? Beim Tag der Bundeswehr in Mannheim am 9. Juni wird dieser scheinbare Widerspruch mit zwei Vorführungen aufgelöst: Die Bundeswehr und zivile Hilfsorganisationen zeigen, wie sie bei einem Massenanfall von Verletzten schnell helfen können – zum Glück ist alles nur eine Übung, aber eine eindrucksvolle.

Blaulicht, Sirenen, ein schwerer Unfall, viele Verletzte – normalerweise ist das kein Fall für die Bundeswehr. Was aber, wenn bei einer sogenannten Großschadenslage die umliegenden Krankenhäuser keine weiteren Patienten mehr aufnehmen können? Beim Tag der Bundeswehr auf dem Bildungscampus in Mannheim hat Oberstarzt der Reserve Dr. med. Martin Sander gemeinsam mit zivilen Helfern eine dynamische Darstellung vorbereitet. Mit viel „action“ wird demonstriert, wie die Bundeswehr im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit wertvolle Amtshilfe leisten könnte: mit einer mobilen Luftrettungseinheit.

Bei einem Massenanfall von Verletzten müssen die Notärzte zunächst eine Triage vornehmen: die Sichtung und Einteilung ihrer Patienten in Kategorien. „Es muss schnell entschieden werden, welcher Betroffene bei knappen medizinischen Ressourcen zuerst gerettet wird, bei wem sofort Maßnahmen ergriffen werden müssen und wer zunächst warten muss“, erläutert Sander, der über langjährige Erfahrung als Facharzt für Allgemeinmedizin und Notarzt verfügt.

Lufttransport

Ein Transporthubschrauber der Luftwaffe vom Typ CH-53 in der Luft
Der Großraumrettungshubschrauber CH-53GS kann bis zu zwölf Patienten transportieren. (Quelle: Bundeswehr/Johannes Heyn)

Um Verletzte über weite Strecken unmittelbar verteilen zu können, würde ein Zusammenziehen vieler ziviler Rettungstransporthubschrauber helfen. Bei dieser Luftrettungsaktion könnten auch verschiedene Hubschrauber der Bundeswehr eingesetzt werden, darunter ein Großraum-Rettungs-Hubschrauber (GRH) vom Typ CH-53GS. „Der GRH ist mit medizinischen Geräten und Tragen so ausgestattet, dass bis zu zwölf Patienten mit bis zu vier Notärzteteams transportiert werden können.

Dabei besteht die Möglichkeit, bis zu sechs intubierte, sprich beatmete Verletzte als Intensivpatienten sowie sechs weitere Patienten an Bord zu nehmen“, informiert Sander.

Die CH-53GS habe bei einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von etwas über 200 km/h eine Reichweite von mehr als 300 Kilometer. Ausreichend Leistung, um auch weiter entfernte Klinikzentren, zum Beispiel im Großraum Stuttgart/Tübingen oder in Ulm zeitnah zu erreichen.

„Zusätzlich zur fünfköpfigen Stammbesatzung wird der GRH im Rahmen eines Großschadenfalles in Baden-Württemberg mit Notärzten und Rettungsassistenten besetzt“, erläutert der Oberstarzt der Reserve weiter. In einem Behandlungsplatz am Boden koordinierten erfahrene Bundeswehr-Ärzte in Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen die Vorbereitungen, um die Verletzten per Lufttransport in die Kliniken zu bringen.

Die Rettungskette

Die medizinische Evakuierungsoperation per Flugzeug und Hubschrauber ist eine Kernkompetenz der Bundeswehr in den Einsatzgebieten. Für den reibungslosen Ablauf einer solchen Operation ist eine ineinandergreifende Rettungskette Voraussetzung. Diese reicht von der Selbst- und Kameradenhilfe sowie einem modern ausgestatteten Rettungszentrum vor Ort bis hin zum Lufttransport mit speziellen MedEvac-Flugzeugen nach Deutschland und der Behandlung in einem der Bundeswehrkrankenhäuser.

Sander kann den Besuchern des Tages der Bundeswehr dazu Informationen aus eigener Erfahrung weitergeben, war er doch in den Bundeswehreinsätzen auf dem Balkan selbst als Arzt damit befasst. Am Bildungszentrum der Bundeswehr (BiZBw) arbeitet er seit 2013 als Wissenschaftlicher Direktor, am Tag der Bundeswehr trägt er wieder Uniform und übernimmt als Reservist auch die allgemeine Sanitätsbetreuung für die Besucher.

An der jeweils rund 60-minütigen Katastrophenschutz-Übungseinlage in Mannheim, die zweimal dargestellt wird, sind auch der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die Johanniter-Unfallhilfe und der Malteser-Hilfsdienst beteiligt. Diese Live-Vorführungen auf dem Flugplatzgelände direkt neben dem BiZBw sollte man nicht verpassen.

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