Nicht immer ist Nomen gleich omen: Dietmar Hauptmann (57), der sich seit fast 30 Jahren für die Bundeswehr engagiert, hat keinen Wehrdienst geleistet und niemals eine Uniform getragen. Der gebürtige Oldenburger nimmt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung eine wichtige Aufgabe wahr – und eine außergewöhnliche noch gleich dazu: Der Oberregierungsrat ist Referent für selten gelehrte Sprachen am Bundessprachenamt in Hürth.

Mann zeigt mit Finger auf eine Afrikakarte
Vom Fach: Dietmar Hauptmann spricht selbst vier Sprachen. (Quelle: Bundeswehr/Helmut Michelis)

Von Albanisch bis Vietnamesisch, von Sango (das in Zentralafrika gesprochen wird) bis birmanisch – lang ist die Liste der Sprachen und der teils unbekannten Landesflaggen auf einer Tafel in Hauptmanns Büro. „Privat verfolge ich sehr aufmerksam die Nachrichten und frage mich jedes Mal, was wohl demnächst für uns interessant werden könnte“, meint der Oberregierungsrat. Gerade sei Birmanisch ins Angebot aufgenommen worden, weil die Bundeswehr einen Militärattaché in das lange Zeit abgeschottete Myanmar entsende.

Mehr als nur Sprache

Chinesisch gewinne immer mehr an Bedeutung, Litauisch sei hinzugekommen. Und Bambara, das im neuen Einsatzgebiet Mali gesprochen werde: Deutsche Soldaten müssten auch außerhalb der Hauptstadt Bamako, wo Französisch verstanden wird, mit Grundbegriffen dieser einheimischen Sprache kommunizieren können.

Es geht aber nicht nur um die Vermittlung von Sprachkompetenzen. „Deshalb bietet das Bundessprachenamt einen 14-tägigen Lehrgang an, bei dem zusätzlich kleine Verhaltensregeln  vermittelt werden“, berichtet Hauptmann. So sei es zum Beispiel in Mali verpönt, als Gast eine Tasche auf dem Fußboden abzustellen, denn „die Leute glauben, dass das Unglück bringt.“

„Polizeiarabisch“ gehört in Hürth ebenfalls zum Programm und hat nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015 traurige Hochkonjunktur: „Polizeibeamte lernen bei uns, wie sie sich in der Phase zwischen dem Aufgriff bis zum Eintreffen des Dolmetschers auf der Wache mit Menschen aus dem nordafrikanischen Sprachraum verständigen können. Auch arabische Schimpfwörter, mit denen sie belegt werden, sollten sie verstehen.“

Kostenlose Schnupperkurse

Hauptmann selbst besitzt Kenntnisse in mehr als zehn Sprachen: „Richtig beherrsche ich Niederländisch, Dänisch, Norwegisch und Schwedisch“, sagt der Sprachwissenschaftler und Historiker, der in Berlin, Bonn und Köln studiert hat und mit einer gebürtigen Kenianerin verheiratet ist, bescheiden.

Zum Tag der Bundeswehr bereitet der Oberregierungsrat mit Teams der slawischen und nordischen Sprachen sowie anderen Referaten Schnuppersprachkurse in Norwegisch, Italienisch, Portugiesisch und Russisch vor. Insgesamt werden bei der Veranstaltung in drei Durchgängen sogar zwölf kostenlose Kurse in elf Sprachen à 30 Minuten angeboten. Das kann zum Beispiel bei der Vorbereitung einer Urlaubsreise interessant sein. Und einen Einblick in „Arabisch für die Polizei“ soll es ebenfalls geben, verspricht Dietmar Hauptmann.