Übungen der Stützpunkttauchergruppe Warnemünde waren einer der Höhepunkte des Aktionstages der Bundeswehr in Stralsund.

Soldat hilft seinem Kameraden beim Anlegen der Taucherausrüstung vor Publikum
Bundeswehrtaucher demonstrieren beim Aktionstag ihre tägliche Arbeit und simulieren zudem einen Unfall in etwa zwei Metern Wassertiefe. (Quelle: Bundeswehr/Jonas Weber)

Für die Vorführung auf dem Alten Markt vor dem Stralsunder Rathaus ließ Urlauberin Ulla P. sogar ihren vorgesehenen Zug sausen. Anstatt mit ihrer Studiengruppe zurück in ihre Sassnitzer Ferienunterkunft zu fahren, wollte die 69-jährige Stuttgarterin nämlich lieber die Übung der Stützpunkttauchergruppe Warnemünde um Stabsbootsmann Falko Seibt live mitverfolgen. So erlebte sie die Höhepunkte des Aktionstages der Bundeswehr in Stralsund, der durch rund 20 Soldaten und Soldatinnen der Stützpunkttauchergruppe und der Sanitätsstaffel Einsatz aus Torgelow bestritten wurde.

Taucher in einem Becken
Absolutes Highlight und nicht alltäglich: ein Tauchcontainer der Bundeswehr auf dem Marktplatz in Stralsund. (Quelle: Bundeswehr/Jonas Weber)

Neugierde für den Tag den Bundeswehr wecken

Mit dem Aktionstag, der in ähnlicher Weise auch in einer Reihe anderer Städte durchgeführt wurde, will Kapitän zur See Michael Möding, Kommandeur der Marinetechnikschule in Parow,  „Neugierde wecken“. Und zwar auf den anstehenden bundesweiten „Tag der Bundeswehr“ am 10. Juni, der mit einem bunten und informativen Programm einlädt.

Neben Präsentationen der Marinetechnikschule und „Open Ship“ auf zwei schwimmenden Einheiten der Bundeswehr sind viele weitere Aussteller aus den deutschen Streitkräften beteiligt. „Schließlich ist die Bundeswehr hier ganz tief verwurzelt“, betont Möding.

Junge steht neben seiner Oma und probiert die Tauchschuhe der Soldaten an
Ziemlich schwer: die beiden Metallschuhe bringen es zusammen auf 14 Kilogramm. (Quelle: Bundeswehr/Jonas Weber)

Taucher in der Fußgängerzone

Die Einstimmung darauf klappte am Aktionstag prächtig. Seniorin Ulla P. stand wie viele andere gegen 13.15 Uhr sichtlich gespannt auf dem Alten Markt. Denn wann bekommt man schon einmal mitten in einer Fußgängerzone zwei Einsatztaucher der Bundeswehr bei einer Übung in einem mit 40 Tonnen Wasser gefüllten Container zu sehen? Noch dazu einen Taucher in einem Konstantvolumenanzug und einen in einem schweren Trockentauchanzug, der laut Experte Seibt rund 90 Kilogramm schwer ist.

„Allein die beiden Metallschuhe bringen es auf zusammen 14 Kilogramm“, so Seibt.

Ulla P., die selbst stolze Besitzerin eines Tauchscheins für bis zu 15 Meter Tiefe ist, staunte nicht schlecht, als die beiden Taucher in den 2,50 Meter tiefen Container glitten: „Bei dem Gewicht würde ich mich nur noch trauen, den leichten Tauchanzug anzuziehen.“ Auch die anschließende Rettungsübung eines verletzten Tauchers, der mit der so genannten „Taucherflöhe“ einen ersten neurologischen Hinweis auf eine Tauchererkrankung verspürte, fand sie „total aufregend“. Die Bundeswehrtaucher übergaben den Verletzten gleich den Sanitätssoldaten eines GTK Boxers, der speziell für die Sanitäter ausgerüstet ist.

Besucher beobachten, wie die Soldaten einen Verletzten zum Fahrzeug tragen
In einer simulierten Rettungsübung kümmern sich die Sanitäter um einen verletzten Taucher. (Quelle: Bundeswehr/Jonas Weber)

Erste Hilfe auf dem Marktplatz

Rettungsassistent Dane Brüggemann und seine Kameraden leisteten unter den Augen von zahlreichen Zuschauern auf dem Alten Markt fachgerecht Erste Hilfe. „Dafür ist der Boxer bestens geeignet“, erklärte Brüggemann auf zahlreiche Nachfragen. „In dem gepanzerten Fahrzeug kann man beispielsweise drei Patienten betreuen, die liegen müssen oder einen Schwerstverletzten, an den man von allen Seiten heran kommen muss.“

Ein Boxer aus nächster Nähe

Gut sei an dem Boxer vor allem, dass dieser über ausreichend Deckenhöhe und Bewegungsspielraum verfüge.

Als der Boxer am Morgen gerade auf der Anfahrt in die Stralsunder Innenstadt war, hatte der 35 Tonnen schwere Radpanzer bereits Hans Jäger und seine Frau überholt. Das Ehepaar aus Baden-Württemberg wollte in die Ferien nach Rügen. In der Fußgängerzone gab es dann ein zufälliges Wiedersehen. Eingehend sah sich der Rentner den Boxer aus der Nähe an: „Ich finde Militärtechnik interessant, und man muss über diese Dinge schon Bescheid wissen“, meinte Jäger.

Soldat erklärt den Besuchern die Ausstattung des Sanitätsboxers
Bestens geeignet für Erste Hilfe: Das gepanzerte Fahrzeug verfügt über ausreichend Deckenhöhe und Bewegungsspielraum. (Quelle: Bundeswehr/Jonas Weber)

Überaus interessiert an dem Sanitätsfahrzeug zeigte sich auch Dennis Michalowski, der mit seinen Eltern Renate und Wolf Michalowski ebenfalls Urlaub in der Region machte. „Da ich nebenberuflich für den ASB Berlin arbeite und viel mit dem Rettungsdienst zu tun habe, finde ich die Technik schon spannend“, so Michalowski Junior. Allerdings sei er froh, dass bei seinen zivilen Rettungseinsätzen ein solch gepanzertes Fahrzeug wie der Boxer nicht von Nöten sei.

Karrieremobil informierte über Möglichkeiten in der Truppe

Dicht umringt war der Stand von Karriereberater Stabsbootsmann Peter Cronsfoth, der sogar ein spezielles Fahrzeug, ein „Karrieremobil“ mit Multimedia-Ausstattung, mitgebracht hatte. Vor diesem erschien nach kurzer Zeit Tim K., der sich mit Cronsfoth intensiv über Karrieremöglichkeiten in der Bundeswehr unterhielt. Der Leipziger studiert in Stralsund Betriebswirtschaft, hatte das aber eigentlich nach dem Grundwehrdienst in der Bundeswehr tun wollen. „Nur leider wurde damals gerade die Wehrpflicht ausgesetzt.“ Daher überlege er jetzt einen „Quereinstieg“. Die Marine soll es sein: „Ich bin schon immer ein Wasserfan gewesen.“