Logo
  • Startseite
  • 700 Spotter – 19 Nationen – ein Standort: Jagel

700 Spotter – 19 Nationen – ein Standort: Jagel

13 verschiedene Flugzeugmuster und ihre Besatzungen stehen in den Startlöchern – sie sind bereit zum Abheben. Bereits zwei Tage vor dem Tag der Bundeswehr lässt die Luftwaffe ihre Muskeln spielen. Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 öffnet seine Türen am 13. Juni für den Spotter-Day.

Der Nebel liegt noch über dem ruhigen Landstrich in Norddeutschland. Einzig in Jagel wird es langsam laut. Rund 700 Menschen stehen, bepackt mit 70 Zentimeter langen Objektiven, Kameras und Stühlen am Kasernentor. Vor ihnen liegt ein spektakulärer Tag. Bei traumhaftem Wetter können sie ihrem Hobby, dem Spotting, nachgehen – das genaue Beobachten und Fotografieren von Flugzeugen und Hubschraubern. Etwa zehn Busse stehen in der Kleinstadt bereit, um die Teilnehmer direkt vor das Flugfeld zu fahren.

Spotter am Hotspot

Spotter hinter der Absperrung
Spotter warten auf den richtigen Moment. (Quelle: Bundeswehr/Ralf Nöhmer)

Pünktlich, um kurz nach acht Uhr morgens, zerreißt ein Eurofighter die Ruhe über Schleswig-Holstein. Er fliegt Kurven, macht Rollen, steigt hoch in die Wolken, um nur Sekunden später scheinbar wie ein Stein vom Himmel zu fallen. Keine 50 Meter neben der Landebahn klackern die Kameraauslöser hunderter Spotter. Unter ihnen: Sandra. Die gebürtige Berlinerin ist eine der wenigen Frauen in dieser Gemeinschaft. Sie ist angetan von den Jets, dem Lärm und der Atmosphäre: „Kein Mann auf der Welt kann mir diese Gänsehaut bescheren“, sagt sie lachend. Für sie ist es zwar der erste Spotter-Day, aber die Leidenschaft für Flugzeuge hat sie seit Jahren. Der Flug zu ihrem 30. Geburtstag in einer Cessna ist ihr zwar nicht gut bekommen, doch ihre Liebe zu allem was fliegt hat sie nie verloren. „Es ist für mich wie Musik in den Ohren und besser als jedes Date.“ Sandra hat heute eine knappe Stunde angestanden und ist mit zwei Kameras ausgestattet. Für sie wird es definitiv nicht der letzte Tag dieser Art gewesen sein.

Für den Verband ist dieses Event eine Premiere. Der 694 Hektar große Flugplatz ist in der Regel absolute Sperrzone. 1.700 Soldatinnen und Soldaten und zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten hier täglich ihren Dienst an Kampfjets und Drohnen – dem Tornado und der Heron.

Die Kinder der Luftbrücke

Mehrere DC3 "Rosinenbomber" am Himmel
Einflug des DC 3 „Rosinenbombers“ (Quelle: Bundeswehr/Sönke Dwenger)

Glockenschlag um 12 Uhr mittags. Auf diesen Moment haben die Liebhaber historischer Flugzeuge lange gewartet. Neun DC-3 schweben auf das Rollfeld. 70 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Alliierten mit diesen „Rosinenbombern“ unter anderem von Jagel aus Westberlin über die Luftbrücke versorgten. Wolfgang Schwierzke erinnert sich noch, als wäre es erst gestern gewesen. Er wurde 1949 als 12-Jähriger durch eines der berühmten Transportflugzeuge evakuiert. Heute steht er auf dem Fliegerhorst, an der Seite seiner Ehefrau Annelie, und schaut den DC-3 beim Landen zu. Für ihn ist es ein bewegender Moment. Sieben Jahrzehnte später steht er heute wieder auf den Stufen dieser Maschine.

Spannende Geschichte

Älterer Mann steigt aus einem Flugzeug
70 Jahre später reist Wolfgang Schwierzke zurück in seine eigene Vergangenheit. Nicht nur die „Klappersitze“ kenne er von damals. Die Maschine X9 hat auch die gleiche Lackierung, wie die, die ihn damals evakuierte. (Quelle: Bundeswehr/Johannes Heyn)

Mit „Hallo Fans“ begrüßt der 82-Jährige fröhlich die vielen Menschen, die seine Geschichte hören wollen. „Die Klappersitze sind noch die Gleichen. Hier war alles voll mit anderen Kindern, die alle nichts zu essen hatten“, erinnert sich das ‚Luftbrückenkind‘. Als einer von Vielen musste er Berlin in der Nachkriegszeit verlassen. Mit einem Namenschild um den Hals saß Schwierzke im Februar 1949 in der Maschine in Richtung Lübeck. Nach fünf Jahren schloss er seinen im Krieg in Gefangenschaft geratenen Vater überglücklich in die Arme.
Für Wolfgang Schwierzke ist der Tag sehr emotional. Er strahlt über das ganze Gesicht und erzählt aus seinem Leben. Er möchte der Nachwelt von seinen Erlebnissen erzählen und etwas hinterlassen. Als sich die neun Bomber am Ende des Tages wieder in Bewegung setzen, steht er an der Startbahn. Bis nur noch das Geräusch der Propeller zu hören ist, winkt er ihnen hinterher – den Rosinenbombern, von denen ihm einer vor 70 Jahren die Freiheit schenkte.

Der Fliegerhorst Jagel öffnet nach langer Zeit sein Kasernentor

Alle Interessierten können sich am Samstag, den 15. Juni in die Welt der Luftwaffe entführen lassen. Flugshows, internationale Flugzeuge und viel militärisches Gerät erwarten die Besucher. Der Tag der Bundeswehr beginnt um neun Uhr morgens. Der Eintritt ist frei.

Mehr zum Thema